Dominikaner eröffnen neue «interkulturelle» Bibliothek in Kairo

Weiterführung der Initiativen des ägyptischen Dominikaners und Pioniers des christlich-islamischen Dialogs P. Georges Anawati

Kairo, 3.11.02 (KAP) In Kairo wurde die neue Bibliothek des Dominikanischen Instituts für Orientalische Studien (IDEO) eröffnet. Das 1953 von den Dominikanern eröffnete Institut ist einer der Brennpunkte des christlich-islamischen Dialogs. Mit 90.000 Bänden wissenschaftlicher Literatur auf arabisch und in den wichtigsten westlichen Sprachen ist die neue Bibliothek des IDEO eine der größten ihrer Art in der Welt. In der «interkulturellen» Bibliothek sind alle Texte der klassischen arabischen Kultur leicht zugänglich; alljährlich werden 1.600 Neuausgaben angekauft.

Der 1216 vom Heiligen Dominikus gegründete Prediger-Orden ist seit dem Mittelalter im Nahen Osten präsent. 1938 hatte der Vatikan die Dominikaner von Jerusalem beauftragt, den islamischen Glauben zu studieren und die Kirche mit der islamischen Weltanschauung bekannt zu machen. Erster Direktor des Dominikanischen Instituts für Orientalische Studien in Kairo wurde der ägyptische Dominikaner P. Georges Anawati (1905-1994), einer der großen Pioniere des christlich-islamischen Dialogs.

Anawati stammte aus einer orthodoxen Familie, trat aber mit 16 Jahren zur griechisch-katholischen Kirche über. Er war zunächst Apotheker, entschloss sich dann aber mit 29 Jahren zum Eintritt bei den Dominikanern. 1939 wurde er zum Priester geweiht. Er studierte anschließend klassische arabische Literatur an der Universität von Algier und wurde stark von der Spiritualität des französisch-algerischen «Wüstenheiligen» Charles de Foucauld beeinflusst. Ein halbes Jahrhundert leitete P. Anawati das IDEO in Kairo und machte es zu einem weltweit angesehenen Zentrum für das Studium des Islam und die Förderung des christlich-islamischen Dialogs. Der ägyptische Dominikaner hatte entscheidenden Einfluss auf Formulierungen der Konzilserklärung «Nostra Aetate» über das Verhältnis der katholischen Kirche zu den nichtchristlichen Religionen.

Der neue Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, Erzbischof Michael Fitzgerald, betonte im Hinblick auf die Eröffnung der neuen IDEO-Bibliothek die besondere Rolle der Dominikaner im Dialog mit den Muslimen. Durch ihre Präsenz in vielen nahöstlichen Ländern - auch im Irak und im Iran - könnten die Ordensleute einen besonderen Beitrag zum Aufbau von Frieden und Harmonie leisten. Der frühere Ordensgeneral P. Timothy Radcliffe - auf dessen Initiative der Ausbau in Kairo zurückgeht - sagte im Gespräch mit dem britischen «Catholic Communications Service», der Dialog mit dem Islam sei für den Orden seit geraumer Zeit eine Priorität, «noch mehr gilt das seit dem 11. September 2001». Daher würden derzeit auch junge Ordensleute vorbereitet, sich auf den Spuren P. Anawatis im christlich-islamischen Dialog zu engagieren.

Kathpress
3. november 2002